Argumente
In einer Zeit demokratischer Globalisierung und aufgeklärter Bevölkerung betrachten viele Menschen jede Entscheidung viel kritischer, als in der Vergangenheit. Hauptsächlich betrifft dies politische und Firmenpolitische Entscheidungen; bei eigenen Entscheidungen verlässt man sich hauptsächlich nach wie vor auf sein Bauchgefühl.
Da sind natürlich Argumente zu einer sehr wertvollen Ware geworden. Sie sollen so viele Bedenken wie möglich neutralisieren, meist den wahren Entscheidungsgrund so gut es geht verschleiern.
Erinnern wir uns an eine große deutsche Bank, die trotz eines Rekordgewinns viele Mitarbeiter entlassen hat. Betrachtet man die Fakten, so scheint es nicht ein einziges Argument zu geben, dass für eine solche Vorgehensweise spricht.
Steht denn der Gewinn nicht im direkten Zusammenhang mit dem Personal? Hat das Personal denn nicht erst diese riesigen Gewinne ermöglicht?
Von Seiten der Bank wurden nun Argumente geliefert, die auf den ersten Blick nur kaufmännisch geschulte Personen zu verstehen scheinen.
- Handlung aufgrund kalkulierter Zukunftsprognosen.
Was ist das?
Man muss jetzt Mitarbeiter entlassen, damit die Gewinne auch in den kommenden Jahren steigen und den übrig gebliebenen Mitarbeitern ihre Arbeitsstelle sichern.
- Investitionssicherung, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Was bedeutet das?
Die Bank braucht das Geld, um andere Banken kaufen und übernehmen zu können, oder in anderen Ländern Filialen erstellen zu können.
- Die Gewinne werden benötigt, um Arbeitsplätze modernisieren und ausbauen zu können.
Warum macht man das?
Man möchte seine Leistungen zeitgemäß anbieten können. Onlinebanking, Internationale Zahlungsvorgänge, mehr Geldautomaten, weniger Kundenräume, usw.
Und es gibt noch viele andere Argumente. Aber kein einziges kann wirklich die Entlassungen verständlich begründen.
Je mehr plausible Argumente die Bank jedoch liefert, die sich mit positiver Zukunftsprognose auf ihr eigenes Unternehmen bezieht, desto unverständlicher wird es für den „normalen“ Menschen. Klar, jedes Argument schützt das Unternehmen vor unangenehmen Arbeitsprozessen und befriedigt auch die Aktionäre, aber eben alles auf dem Rücken der Mitarbeiter.
Darf man sich die Bemerkung erlauben, dass die Gründe vielleicht nur darin liegen, dass sich wenige Vorstandmitglieder und Großaktionäre die Taschen füllen wollen, obwohl diese bereits Millionenschwer sind und sie es gar nicht nötig hätten – wenn sie nicht so profitgierig wären?
Leider haben auch die besten Gegenargumente, ob menschlich oder sozial, keinen Einfluss auf diese Entscheidung gehabt. Zu einfallsreich waren die Argumenten-Finder der Bank.
Es gibt tausende solcher Beispiele.
Bei allen Entscheidungen geht es auch nicht darum, dass man eventuell aufgrund logischer/menschlicher/sozialer Gegenargumente die Entscheidungen evtl. noch einmal überdacht und gegebenenfalls korrigiert werden, nein, es geht nur darum, dass man seine Entscheidung trifft und danach Argumente findet, die die wahren Gründe diese Entscheidung verschleiern sollen.
Und es gibt tatsächlich Personen in größeren Unternehmen und Parteien, die sich nur diesen Aufgaben widmen: Argumente finden und erfinden!
Du musst kein erfolgreicher Mitarbeiter sein – Du musst nur genug Argumente haben, warum Deine Firma Dich beschäftigen soll.
Du musst kein guter Politiker sein – Du musst nur genug Argumente haben, warum man Dich wählen soll.
Du musst kein guter Mensch sein – Du musst nur genug Argumente haben, warum andere Menschen schlechter sind, als Du selbst.
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