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Ein Job ist zu vergeben und zwei Personen kommen dafür in Frage. Der Eine war stets ehrlich und loyal, der Andere hat stets enttäuscht. Es bekommt der Zweite den Job, weil man ihm noch eine Chance geben möchte.

Der Erste verliert irgendwann seinen Job – warum auch immer – und sucht eine neue Stelle. Er ist qualifiziert, kann aber nichts Außergewöhnliches vorweisen. Ehrlich, gewissenhaft, qualifiziert – das sollte doch eigentlich ausreichend sein, oder?

Der Zweite sucht auch einen Job – warum auch immer – und bewirbt sich ebenfalls. Was ihm an Qualifikation fehlt, lügt er beim Vorstellungsgespräch hinzu. Aus seinen Fehlschlägen konstruiert er für sich eine Opferrolle, was beim Bewerbungsgespräch auf fruchtbaren Boden fällt – und er bekommt den Job.

Der Firma geht es immer schlechter. Die Umsätze lassen nach. Der Chef denkt über Entlassungen nach, versucht mit der Belegschaft eine Lösung zu finden.

Der Erste wird alles tun, um die Umsätze zu steigern, Aufträge zu schreiben und der Firma zu helfen wo er kann. Der Zweite führt ein Gespräch nach dem anderen – mit dem Chef – und überzeugt ihn jetzt einige Leute zu entlassen. Der Erste verliert seinen Job – warum auch immer (!) – und sucht eine neue Stelle.

Beide sind arbeitslos und können – aus welchen Gründen auch immer – ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Der Erste informiert sofort seine Bank, Versicherungen, Vermieter, und alle Stellen, denen er etwas schuldig ist. Lange und nervenaufreibende Schriftwechsel folgen. Der Zweite macht nichts!

Nach einigen Wochen fliegen Mahnungen, Kündigungen und Vollstreckungsbescheide ein – bei Beiden.

Der Erste ist mit den Nerven am Ende und weiß nicht mehr was er machen soll. Der Zweite macht nichts! Oder, falls die Schulden sehr hoch sein sollten, sucht er sich eine neue Wohnung, möglichst in einem anderen Bundesland.

Bei beiden steht dann der Gerichtsvollzieher vor der Tür.

Beim Ersten ist nichts mehr zu holen, da er schon alles verkauft hat, um seine Schulden zu bezahlen.

Beim Zweiten ist nichts mehr zu holen, weil er schon alles in die neue Wohnung geschafft hat. Außerdem ist er wahrscheinlich auch nicht da, weil er einer unangemeldeten Nebenbeschäftigung nachgeht.

Der Erste fährt mit der Straßenbahn zum Arbeitsamt, um ALG 2 zu beantragen. Der Zweite fährt mit dem Auto, das auf den Namen eines Freundes, oder seiner Freundin angemeldet ist.

Der Erste schreibt eine Bewerbung nach der anderen und hat nicht einmal mehr Geld, um einmal in der Woche auszugehen. Der Zweite macht nichts und ist jeden Abend in der Kneipe oder Disco.

Heute sitzt der Erste Daheim, ist alleine und kann sich kaum ernähren, muss den Ämtern und Gerichten nachweisen, dass er sich auch um eine Stelle bemüht, steckt inmitten eines privaten Insolvenzverfahrens, hat weder Lebensversicherung, noch andere Altersvorsorge, kaum noch Freunde und ist mit den Nerven am Ende.

Der Zweite hat einen Job als geringfügig Beschäftigter, fährt einen BMW, unterhält zwei Wohnungen, hat eine Frau oder Freundin, ist nebenbei an vielen Geschäften beteiligt, hat viele Freunde und ist jeden Abend unterwegs.

Lügen haben kürze Beine? Klar, dadurch ist man kleiner und kann überall unbemerkt durchschlüpfen.

Ehrlich währt am Längsten? Ja, es dauert nur länger, bis man wieder auf die Beine kommt.

Tue Gutes und rede darüber? Was nutzt das, wenn niemand zuhört, weil die Geschichten über die schlimmen Dinge viel interessanter sind?